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Ein einsamer auf dem Meer treibender Fender wird zur Morgenattraktion. Am Nachmittag sehen wir nach vier Tagen in der Ferne ein Schiff, einen grossen Frachter, viel viel Wasser und hier sind wir.

Auf der Lil hat sich ein Lesezirkel, eine Hoerbuchboerse und ein Kochstudio unter uns drei Maennern etabliert.

Und waehrend wir weilen, kommen wir dem europaeischen Kontinent naeher. Gestern haben wir unsere Schiffszeit um eine Stunde der geographischen Laenge angepasst. Ebenso unsere Kleidung der geographischen Breite. Von Nacht zu Nacht wird es eine Schicht mehr und am Tag ist noch immer Zeit fuer Shorts.

Von den 11 Grad noerdlich dem Aequator, unserem Ausganspunkt in Trinidad sind wir nun auf 34 Grad Nord angelangt, unserem Azoren Ziel von 37 Grad Nord sind wir schon gefaehrlich nahe, unser Zuhause in der Schweiz auf etwa 47 Grad Nord.

In der Annahme morgen das Bergfest,die Haelfte der Wegstrecke ueber den Atlantik, zu erreichen, haben wir uns schon heute eine Flasche Merlot zu Gemuete gefuehrt. Die Verpackung hat als Flaschenpost, Adressat unbekannt, seine ganz eigene Reise angetreten. Unsere Anschrift und Position sowie ein paar Trinidad Dollar sind nun in der Merlot Flasche unterwegs, wir warten gespannt auf Antwort. Urs

Flautensonntag

Nach ordentlichen Segeltagen mit Wind aus Ost und einer Staerke von 10-bis 20 Knoten ist er nun gestern wieder eingebrochen, also unter 5 Knoten Windstaerke. Das Schiff liegt entsprechend ruhig. Wir geniessen erst die Ruhe, Zeit fuer ein Sonnenbad , es ist ja auch Sonntag, Zeit fuer Koerperpflege, diesmal ohne Atlantikbad, dafuer verschwenderisch, es ist ja Sonntag, mit Suesswasser aus dem Tank. Wir setzen unser buntes Leichtwindsegel, beschleunigen auf 2 bis 3 Knoten Fahrt, was freut, jedoch will das Segel im Gewell partout nicht konstant stehen, wird es also wieder weggeraeumt.

Zum Fruehstueck gabs frisch gebackenes Brot und weil das Schiff so herrlich und ungewohnt ruhig lag gleich noch eine Pizza. Koestlich wars. Doch dann musste unser Jockel ran an den Vortrieb, er schob uns bis in die fruehen Montagmorgenstunden, jetzt haben wir wieder konstant SE Wind, er bringt uns flott voran. Das Gebiet 25 bis 30 Grad gilt als Schwachwind und Flautengebiet. Durch die Wahl eines weit oestlicheren Kurses als es gewohnt auf dieser Route befahren wird, konnten wir ein weit groesseres Schwachwindgebiet westlich unserer Route erfolgreich umfahren, was uns einigen Diesel eingespart hat, nebst herrlichen Segeltagen, die uns dafuer beschert wurden. Taeglich interpretieren wir die Wetterkarten, die sich erstaunlicherweise taeglich markant auch wieder veraendern. Erstaunlich in einem Seegebiet dieser Dimension. So ist es also gewissermassen taeglich immer wieder eine UEberraschung, welche Bedingungen wir antreffen. .

Die Wetterdaten werden uns als Grib File via Kurzwellenfunk auf unseren Lap Top gesandt, weiter holen wir alle 5 bis 7 Tage eine entsprechende individuelle Routenempfehlung ein, die sich bisher gut bewaehrt hat. Ab Donnerstag oder Freitag sollten wir den 35 igsten Laengengrad erreichen wenn der Wind uns treu bleibt, dann werden wir rechts abbiegen , auf die Autobahn wie Steve immer wieder sagt, und mit westlichen oder suedwestlichen Winden direkt die Azoren anlaufen. Die naechste Flaute werden wir dann voraussichtlich vor den Azoren wieder antreffen, verursacht durch das stationaeren Azorenhoch. .

Zur UEberbrueckung der Flauten und Speisung unseres Jockels fuehren wir 580 Liter Diesel mit. Dies erlaubt uns circa 230 Stunden unter Motor zu fahren und auch die Batterien an Bord zu laden. Bisher haben wir 46 Stunden unter Motor zurueckgelegt, bleiben uns also theoretisch noch 180 Stunden. Bei einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 4.5 Knoten koennten wir also noch 800 Seemeilen, dies entspricht 1500 km, unter Motor zuruecklegen. Bis heute 16.00 UTC haben wir total ab Sint Maarten 888 Seemeilen zurueckgelegt, verbleiben also noch circa 1600 Seemeilen. .

Heute Montag gibts Roesti.

Gegenangegenan

Seit 5 Tagen segeln wir nun gegenan, am Wind gegen Welle und zur Zeit noch gegen Strom. Wir kommen gut voran, doch die Schiffsbewegungen verlangen einiges ab. Sich im Schiff zu bewegen ist eine mittlere akrobatische Leistung fuer Anfaenger, ganz zu schweigen von der Koordinationsleistung des Koches. Dieser braucht naemlich ungefaehr zwei Haende um sich festzuhalten, und mindestens eine dritte um zu kochen, eine vierte um das Gemuese festzuhalten, welches sich unkoordiniert in alle Richtungen beschleunigt, man rechne. Wir wechseln uns taeglich mit diesem Dienst ab, entsprechend kann man sich dann wieder zwei Tage erholen und verwoehnen lassen - und ich kann versichern, wir werden verwoehnt.

Der Gebrauch der sanitaeren Einrichtungen muss mannundfrau sich so vorstellen. Das raeumliche Angebot entspricht einer Toilette eines kleineren Mittelstreckenflugzeugs, Grundflaeche 70 x 70 cm, nur huepft dieses Ding noch, da es sich im Vorschiff befindet und hat beachtliche Schraeglage. Auch wuenschten wir uns eine klimatisierte Zusatzlueftung, da wir das Oblicht wegen dem staendig ueberkommenden Spritzwasser nicht oeffnen koennen. Auch hier bedarf es einiger Geschicklichkeit. Die Aufenthalte in ebendieser Kabine gestalten sich in der Regel eher kurz.

Jeder von uns hat so seine favorisierten Liegeplaetze gefunden, die wir uns gegenseitig auch nicht streitig machen, und deren gibt es viele, wer haette das gedacht. Nun ja, im Schiff selber sind es genau drei, die sich fuer diese Schraeglagen eignen, jedoch an Deck verfuegen wir ueber ein reichhaltiges Angebot: Vorschiffs fuer die Kuehneren unter uns , Mittschiffs, im Cockpit Lee oder Luv, hinter dem Steuerrad oder auf dem Achterdeck. Jeder verfuegt ueber seine einzigartige Qualitaet.

Wir werden noch mindestens 5 Tage diesen Kurs halten um dann hoffentlich den Westwind zu finden und den Kurs direkt Richtung Azoren anzulegen.

Ich leg mich jetzt hin.

Barbapapa

Unsere erste Reise Richtung West 2008 hatte schon eine andere Alltagsqualität. Zu viert, mit meiner lieben Frau Andrea, unserem wunderbaren Sohn Basil sowie Hannes, unserem jungen Abenteurer wurde logischerweise Familienalltag gepflegt. Diesen haben wir alle untereinander aufgeteilt. Ich erinnere mich nun auf meiner zweiten Atlantikreise immer wieder einzelner Episoden, wie Kinder CD mit Beltrametti, Bastelstunden, Geschichten erzählen, Basil in seiner Mittagsstunde mit Kassettengerät in seiner Koje und immer mal wieder Barbapapa: Diesen vermisse ich fast ein wenig. Wir hatten nämlich ein kleines DVD Abspielgerät dabei und eben Barbapapa. Wenn es Basil nicht vergass, fragte er jeweils abends vor dem Pischele, ob er nicht noch einen kleinen Film von Barbapapa ansehen dürfe. Natürlich durfte er. Und vielfach war es mein Privileg das Gerät mit ihm zusammen am Navigationstisch einzurichten. Erwartungsvoll kniete Basil auf dem Navisitz, ich klemmte mich mit der Hälfte meines Wertesten neben ihm und dann ging’s los. Die Einstiegsmusik der DVD musste immer leise gestellt werden, da diese “ängstlich” sei, wie er es nannte, doch kaum vorbei, wurde laut aufgedreht und Basil sang lauthals die französische Fassung des Trailers mit. Aus einem Filmchen konnten leicht auch drei werden.
Nun, solche oder ähnliche Rituale haben wir drei Herren bisher noch nicht entwickelt, doch wir werden sehen, wer weiss. . . 

Aus dem Logbuch gibt es folgendes zu berichten: Wir haben nun guten Wind aus Nordost, Ost bis Südost und machen mit Kurs Hoch am Wind Fahrt von 4.5 bis 5.5 Knoten. Damit sind wir zufrieden. Dies wird in etwa so bleiben für die nächsten 5 bis 6 Tage. Nachts haben wir häufig Regenfronten mit mehr Wind, am Tage teilweise bedeckt, auch mit Sonne, Temperatur im Schiff 30 Grad. Heute haben wir den zweiten Fisch am Haken verloren, einfach glatt den Drahtvorlauf mit Haken abgebissen. Unser Bestand an Haken, im Moment 6 Stück!

Leinen los

Am Sonntag nun haben wir nun unseren Liegeplatz der Island Water World Marina verlassen und sind um 11.00 unter der Simpson Bay Zugbrücke wieder aus der Lagune ins offene Wasser motort. Nach letzten Vorbereitungen haben wir die Bucht verlassen, Windstaerke und Windrichtung nicht erkennbar. Wir wussten, dass wir mit wenig Wind zufrieden sein mussten, aber da war gar nichts. Für mich sehr ungewöhnlich, doch wie gesagt war es angekündigt : “Eine ausgedehnte Front erstreckt sich von den Azoren quer über den Atlantik bis in die Karibik und zieht nur langsam nach Osten weiter und beeinflusst somit das Wetter im Vorhersagegebiet auch noch am Sonntag. Am Montag liegt die Front südlich der empfohlenen Route von St. Maarten zu den Azoren, die EU mischt sich also  bis in die Karibik ins Wettergeschehen ein.     

Für uns hiess dies schon von Beginn weg unter Motor zu fahren, was uns alle drei generell stört, weil wir bereits die Reserven für die kommenden Flautengebiete anknabbern. Nun nach 24 Stunden Fahrt unter Motor und einigen Versuchen in Regenfronten Wind zu finden, ist er zurück, noch bescheiden doch wir machen gute Fahrt in die richtige Richtung. Ruhe im Schiff und viel angenehmere Schiffsbewegungen begleiten uns nun in die zweite Nacht.

Die angenehmen Seiten dieser Bedingungen als Einstieg in diese Überfahrt  geniessen wir jedoch sehr, kaum Seegang , kein Amwindkurs gegen viel Welle, ruhige Schiffsbewegungen und Komfort für den Bordkoch, dieser wird übrigens täglich ausgewechselt. Wir haben für die dreiwöchige Reise das Gewicht unserer Yacht um ca. 1,8 Tonnen  erhöht. Wir führen 580 Liter Diesel mit, 500 Liter Brauchwasser, 280 Liter Trinkwasser, 300 kg Lebensmittel, 100 kg Gemüse und Früchte und sonst noch dies und das, das heisst wir wiegen nun ca. 11. Tonnen. Doch dieses Zusatzgewicht ist kaum spürbar, wir liegen ein paar Zentimeter tiefer im Wasser.    

Noch können wir uns leicht bekleidet bewegen, eine alte Seemannsregel besagt ja, gewisse Fakten bleiben auf dem Schiff, wir sind uns auch bewusst, dass sich dies ändern wird, gewissermassen tauschen wir wärmere Kleidung mit längeren Tagen ein, auf die wir uns auch freuen.

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